Saison 2018/2019
CFC / Regionalliga



 
Chemnitzer FC
Chemnitzer FC3:1Berliner AK 07
Berliner AK 07
8. Spieltag - Regionalliga Nordost - Saison 2018/2019
Samstag, 15. September 2018, 15:00 Uhr
Fischerwiese, Chemnitz
Zuschauer: 4.909
Schiedsrichter: Greif (Westhausen)
Chemnitzer FCTorfolgeBerliner AK 07
T Jakubov
A Itter
A Velkov
A Hoheneder
A GesienGelbe Karte
M T. Müller
M Langer
M GroteGelbe Karte (90. Taag)
M GarciaGelbe Karte (78. Milde)
S Bozic (73. Mauer)
S FrahnGelbe Karte

Trainer: Bergner
1:0 Bozic (35.)
2:0 Garcia (40.)
2:1 Kargbo (66.)
3:1 Langer (85.)

T Kühn
A Kleihs (46. Möllering)
A Siemann
A Koch
A MlynikowskiGelbe Karte
M Iraqi (58. Özcin)
M Oschmann (83. Cakmak)
M Hofmann
S Elezi
S Kargbo
S Akyörük

Trainer: Parlatan
Spielbericht

Fußball schlägt Politik

Von Pierre Schönfeld

Der Chemnitzer FC zieht weiter einsam an der Spitze der Regionalliga seine Kreise. Im Spitzenspiel der Regionalliga, immerhin traf der Erste auf den Dritten der Tabelle, bezwangen die Himmelblauen den Berliner AK verdient mit 3:1. Die Berliner kassierten damit nach vier Siegen in Folge ihre erste Niederlage. CFC - Berliner AK 3:1Für die Himmelblauen war es hingegen der achte Sieg im achten Spiel - eine makellose Bilanz. Der Vorsprung auf den Zweiten, Wacker Nordhausen, beträgt nun schon sechs Punkte. Soweit die "sportliche" Zusammenfassung.

Was das "Nichtsportliche" angeht - so passierte am Samstag "nichts". "Nichts" was die im Vorfeld vom BAK-Präsidenten, Mehmet Ali Han, demonstrativ zur Schau gestellten und von den Medien gerne aufgegriffen "Ängste" und "Chemnitz-Hysterie" auch nur im Ansatz bestätigen konnte. Sicherlich zum Leidwesen von extra angereisten Journalisten u.a. aus der Türkei oder vom zweiten deutschen Fernsehen, denen es beim Besuch einer Regionalliga-Partie in Chemnitz wohl weniger um das "Sportliche" ging. Aber vielleicht gibt es ja in der "Hürriyet" am Montag einen Artikel über ein entspanntes und kurzweiliges Fußballspiel der vierten deutschen Liga mit einem verdienten Sieger aus Chemnitz. Den liest dann vielleicht auch Mehmet Ali Han, den man nicht im Stadion sichtete - Berichten zufolge war er auf einer Familienfeier in der Türkei. Na dann. Falls nicht, immerhin 9 (!) Gästefans können ihnen ja von ihrem Ausflug in das gefährliche Chemnitz aus eigenem Erleben berichten.

CFC - Berliner AK 3:1Dafür war mit Michael Kretschmer der Ministerpräsident von Sachsen auf Einladung von Insolvenzverwalter Klaus Siemon im Stadion. Kretschmer saß auf der VIP-Tribüne, eingerahmt von Siemon und dessen Sportchef Sobotzik. Gut möglich, dass Siemon dem Ministerpräsidenten bei der Gelegenheit gleich mal seine ganz eigene Interpretation der auf der Osttribüne plakativ angebrachten Werte wie Toleranz, Fairness, Demokratie oder Rechtsstaat erläuterte.

Apropos plakativ. So reagierte auch die Vereinsspitze auf die aktuelle Hysterie rund um Chemnitz und auch den CFC nach den bekannten Vorfällen auf dem Stadtfest Ende August. So mußten die Spieler eigens ein mit viel Liebe designtes Einlaufshirt tragen. "Weltoffenheit", "Toleranz" und "Fairness" war auf dem Shirt zu lesen, was für 15 Euro auch im Fanshop erworben werden darf. Den hehren Worten ließen die Herren Siemon, Sobotzik und Uhlig auch gleich Taten folgen, indem sie die Verteilung des Infozines "1143" im Stadiongelände untersagten. Toleranz hört bekanntlich bei Kritik am Insolvenzverwalter auf!

CFC - Berliner AK 3:1Dafür gab's dann am Spieltag nochmal Post vom Siemon Insolvenzmanagement an die Mitglieder wo drinne stand, dass man den CFC ab sofort zum "Bollwerk gegen Rechtsradikale" ausbauen will. Ah ja - und sonst so? Man hatte bisher geglaubt, dass der Insolvenzverwalter für finanzielle Angelegenheiten zuständig ist, und nicht für Politik im Stadion. Ein Bollwerk gegen rote Zahlen sollte eher seine Aufgabe sein, zum Rest darf Herr Siemon gern die Satzung §2, Absatz 4 des Mitgliedervereins Chemnitzer FC e.V. studieren.
Und weil das noch nicht reicht, durften auch die Spieler zu Beginn ein Plakat hochhalten. "Gemeinsam für demokratische Werte und Fair Play" stand darauf. Ziemlich viel Aktion(ismus) dafür, dass es bekanntlich in Chemnitz seit einigen Jahren keinerlei Vorkommnisse politisch extremer Natur im Stadion mehr gab.

Fußball gespielt wurde auch. Und da musste Coach Bergner seine Erfolgself auf einer Position umstellen. Jakob Gesien startete für den angeschlagenen Fabian Müller auf der rechten Seite. Auf Seiten des BAK gab es ein Wiedersehen mit zwei Bekannten aus der letzten Saison - Marcus Mlynikowski und Jan Koch.

CFC - Berliner AK 3:1Nach ausgeglichenen Anfangsminuten schlug der Ball das erste Mal nach 23 Minuten hinter Jakubov ein. Kargbo hatte nach einer Flanke den Ball ins Tor geköpft, doch zum Glück stand er im Abseits. Für die Himmelblauen war das ein Weckruf - in Folge übernahmen sie die Initiative. Erst schoß Müller nach einer Ecke drüber (25.), dann mußte sich BAK-Keeper Kühn nach einem Garcia-Freistoß lang machen (27.). Nur vier Minuten später prüfte erneute Garcia den BAK-Schlußmann. In der 35. Minute zappelte der Ball dann endlich im Netz der Berliner. Müller hatte von der Strafraumgrenze abgezogen, Kühn konnte nur abklatschen und Bozic staubte zum 1:0 ab. Das achte Saisontor von Bozic! In der 39. Minute holte sich Jakubov seinen Assistpunkt ab. Weiter Abschlag des Tschechen auf Garcia, der im Laufduell zwei Berliner stehen lässt und einschiebt. 2:0! So ging's dann auch in die Pause.

CFC - Berliner AK 3:1Wenn man der Mannschaft in diesen Tagen etwas vorwerfen kann, dass sie es trotz deutlichem Vorsprung fast immer nochmal spannend macht. So auch diesmal. Anstatt das 3:0 und den Deckel drauf zu machen (Garcia und Itter hatten hier in Minute 56 die Entscheidung auf dem Fuß) kam der Gegner noch mal ran. Freistoß BAK und Kargbo, diesmal nicht im Abseits stehend, köpft ein. Der Anschluss und noch einmal Zittern auf den Rängen. Und fast wäre es passiert, doch Jakubov macht sich bei einem Schuss von Möllering lang und lenkt das Leder um den Pfosten (83.). Den Deckel drauf machte dann Matti Langer per Kopf nach Grote-Freistoß, das 3:1 und die Entscheidung. Der CFC bleibt weiter ohne Punktverlust.

Fazit: Ein verdienter Sieg gegen eine gut mitspielende und zu Recht im oberen Tabellendrittel stehende Berliner Mannschaft. Vorne ist der Club immer für Tore gut, hinten aber auch gerne mal für Gegentore.
In den nächsten Wochen geht's dann hoffentlich wieder nur um Fußball. Das ist dem CFC genauso zu wünschen wie ein baldiges erfolgreiches Ende des Insolvenzverfahrens und der Ära Siemon.

Wertung: 2,5.

Beste Himmelblaue: Grote, Jakubov

Spielerstimmen

Marcus Mlynikowski (BAK) bei tag24.de:
"Das 0:2 zur Pause war für uns eine herbe Enttäuschung. Doch wir wussten: Wenn uns der Anschluss gelingt, brennt es nochmal. Und so war es dann auch. Uns hat nach dem 1:2 das Quäntchen Glück gefehlt. Am Ende setzte sich die Qualität der Chemnitzer durch. Nicht umsonst sind sie seit acht Spieltagen ungeschlagen."

Rafael Garcia (CFC) bei tag24.de:
"Uns haben die Aussagen aus Berlin nicht tangiert, eher zusätzlich motiviert. Wir sind mit Wut im Bauch raus gegangen, wollten unbedingt gewinnen."

Trainerstimmen

Ersan Parlatan (BAK) bei mdr.de:
"Acht Spiele, acht Siege - Respekt vor der Leistung des CFC! Sie haben Großes geleistet, spielen robust und kompakt und erzielen mit wenig Chancen Tore. Wir haben heute gut gegen den Ball gearbeitet, durch individuelle Fehler aber das 0:1 und 0:2 kassiert. In der zweiten Halbzeit haben wir gut gespielt, nach dem Anschlusstor waren wir viel näher am 2:2 als Chemnitz an einem Tor. Die Niederlage tut weh, aber wir sind mit Stolz vom Platz gegangen."

David Bergner (CFC) bei mdr.de:
"Man hat in den ersten Minuten gemerkt, dass der Druck auf die Spieler hoch war, das Spiel zu gewinnen. Wir haben in den entscheidenden Momenten die Tore erzielt. Ich habe in der Halbzeitpause angesprochen, dass eine 2:0-Führung gefährlich ist. Dann waren wir nicht aktiv genug. Nach dem Anschlusstor hatten wir auch in zwei, drei Situationen etwas Glück. Unser Torwart Jakubov hat gut gehalten. Dann haben wir im richtigen Moment das Spiel entschieden. Es war eine tolle Atmosphäre in einem Spiel, über das im Vorfeld viel geredet wurde."

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